Ein Leben für Geflüchtete und für die Gemeinde – die Erftstädterin Monika Keßler ist tot

ERFTSTADT. Wer mit Monika Keßler durch Erftstadt-Liblar ging, konnte sicher sein, dass Menschen auf sie zukamen, sie begrüßten und nach ihrem Wohl fragten. 90 Prozent dieser Menschen waren Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Somalia, dem Kosovo und anderen Ländern. Vielen von ihnen hat die engagierte Katholikin, die am 22.9.1944 in Dülmen geboren wurde, in ihrem Leben geholfen. Mehr noch: Sie hat ihnen und ihren Familien oft eine Grundlage für ein neues Leben in Freiheit ermöglicht. „Da müssen wir doch etwas tun“. Dieser Satz wurde zum Mantra von Keßler.

„Ein Herzensmensch ist von uns gegangen“, sagt Monika Callsen, die 1991 gemeinsam mit Monika Keßler den ökumenischen Arbeitskreis Flüchtlingshilfe in Erftstadt gegründet hat – Callsen als Mitglied der evangelischen Friedenskirchengemeinde, Keßler als katholische Ehrenamtliche in vielfältigen Funktionen der katholischen Kirchengemeinde St. Barbara. „Es ging mit Geflüchteten aus der damaligen DDR damals los“, erinnert sich Callsen, „danach kamen viele, die aufgrund der Jugoslawien-Kriege ihre Heimat verlassen mussten.“ Schon damals entstand durch Keßlers Engagement eine kleine Flüchtlingssiedlung, die in den Jahren, besonders nach 2015, als Tausende Geflüchtete nach Deutschland kamen, immer mehr wuchs. Gemeinsam mit dem Ökumenischen Arbeitskreis „Pro Asyl“ aus Erftstadt-Lechenich gab es da bereits eine intensive Zusammenarbeit und viele Projekte und Initiativen für geflüchtete Menschen wurden auf die Beine gestellt.

Im gleichen Jahr bekam Monika Keßler die Carl-Schurz-Medaille, die höchste Auszeichnung der Stadt Erftstadt, mit der sie Bürger oder Vereine ehrt, die sich ehrenamtlich im sozialen oder kulturellen Bereich besonders engagiert haben. Das Ehrenkreuz „Pro Ecclesia et Pontifice“ (lateinisch: „Für Kirche und Papst“), das päpstliche Ehrenzeichen für besondere Verdienste um die Anliegen der Kirche und des Papstes, das sowohl an Mitglieder des Klerus als auch an Laien verliehen werden kann, hatte sie da bereits. Denn auch in ihrer Heimatpfarrei St. Barbara war sie Zeit ihres Lebens aktiv. Taizé hat sie besonders geprägt.

Viele Besuche der ökumenischen Gemeinschaft in dem kleinen Ort in Burgund, unter anderem in den Herbstferien mit einer Gruppe aus Liblar, haben bei ihr den besonderen Geist dieses Ortes zu einem festen Bestandteil ihres Lebens gemacht. Keßler begann mit einigen anderen „Taizé-Fahrern“ ein regelmäßiges Abendgebet in der Gemeinde St. Barbara zu installieren. Dieses Gebet gibt es bis heute und hat ihr auch in den vergangenen von Krankheit geprägten Monaten immer wieder Kraft und Zuversicht gegeben. Monika Keßler hat darüber hinaus das Gedenken an den Freiheitskämpfer Carl-Schurz (1829–1906), den berühmtesten Sohn Liblars, gepflegt – auch in der Nachfolge ihres vor fünf Jahren gestorbenen Ehemannes Walter, mit dem sie 52 Jahre verheiratet war. Den seit 1978 existierenden Carl-Schurz-Kreis hat Monika Keßler bis zuletzt unterstützt.

Es gibt Menschen, die eine besondere Aura, eine einzigartige Ausstrahlung haben und die durch ihre Persönlichkeit und ihr Handeln dafür sorgen, dass es anderen Menschen besser geht. So ein Mensch war Monika Keßler. Erftstadt hat eine große Persönlichkeit verloren – und einen echten Herzensmenschen.

Martin Mölder

Von admin

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